HÄRTING.fm - Der Podcast für Recht, Technologie und Medien

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Transkript

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00:00:00: [Musik]

00:00:20: Neues Jahr, neue Staffel bei Herting FM, der Podcast für Recht Technologie und Medien.

00:00:25: In den nächsten, zunächst sieben Folgen werden wir uns mit den Besonderheiten gerichtlicher Verfahren beschäftigen

00:00:30: und beleuchten, was wir jenseits der Beratung und Vertragsgestaltung und Verhandlung sonst so machen.

00:00:36: Und damit herzlich willkommen im Jahr 2025 und herzlich willkommen bei Litigation at Herting FM.

00:00:42: Das Format der folgenden Episoden ist denkbar einfach.

00:00:45: Ich habe meine Kollegen aus unserem Team Litigation gebeten,

00:00:47: jeweils ihre drei spannendsten, tollsten, verrücktesten, aktuellsten oder lehrreichsten Fälle mitzubringen

00:00:53: und mich und damit euch daran teilhaben zu lassen.

00:00:55: Ich bin Martin Schoenbacher und mein erster Gast in unseren neuen Staffel ist unser Kollege Urs Lückel.

00:01:00: Hallo, lieber Urs.

00:01:01: Hallo, Martin. Ich freue mich hier zu sein.

00:01:04: So, Urs ist Senior Associate in unserem Litigation Team.

00:01:08: Urs geht also viel und gern, können wir gleich drüber sprechen, gern zu Gericht

00:01:12: und wird heute ein bisschen aus seiner Erfahrung mit gerichtlichen Auseinandersetzungen in IT-Streitigkeiten erzählen.

00:01:17: Und bevor wir loslegen, vielleicht sagst du nochmal ein Satz mehr zu dir, Urs, als ich das jetzt gerade gemacht habe.

00:01:22: Hallo, Martin. Also, ich bin in Berlin geboren und aufgewachsen,

00:01:26: habe dann im schönen Passau in Niederbayern studiert, danach in Lübeck mein Referendariat gemacht

00:01:32: und bin dann wieder nach Berlin zurückgekehrt und habe auch direkt damals Anfang 2020,

00:01:38: war das, glaube ich, bei Herting angefangen.

00:01:41: Und das Interessante damals war, man weiß es noch, Corona hat quasi mit meinem Anfang bei Herting angefangen.

00:01:48: Deswegen habe ich dann in der ersten Zeit viel Litigation, viel Prozesse geführt,

00:01:53: allerdings nicht im IT-Bereich, sondern im Corona-Bereich,

00:01:56: war da, sag ich mal, der Spiritusrektor, der ganzlei Professor Nico Herting ja sehr engagiert war

00:02:02: und sehr viele Künstler und auch Clubbetreiber und an einem Gewerk unterstützt hat,

00:02:08: den es ja nicht so gut ging in der Zeit und konnte da so erste Litigation-Erfahrungen sammeln

00:02:12: und war da auch direkt, sag ich mal, viel vor Gericht und auch viel allein mit dem man dann...

00:02:17: Mit Maske.

00:02:18: Mit Maske, genau.

00:02:19: Kommt man schon einige Erfahrungen sammeln und das war auf jeden Fall eine spannende Zeit,

00:02:24: ging dann so circa gute zwei Jahre, glaube ich.

00:02:27: Und dann hatte ich die Möglichkeit, an der Freien Universität Berlin ein Forschungsprojekt zu begleiten,

00:02:34: wurde mir angetragen, das habe ich dann wahrgenommen und habe damals noch parallel auch als Rechtsanwalt

00:02:40: in einer Kanzlei für Wirtschafts- und Steuerstrafrecht gearbeitet,

00:02:43: warum mir das auch hier in der zivilrechtlichen Litigation hilft.

00:02:46: Dazu komme ich nochmal bei V3 zurück.

00:02:49: Bist du der Exot, Strafrecht kann ich sonst keiner eigentlich?

00:02:52: Richtig.

00:02:53: Es ist manchmal auch ganz gut, weil ich dann auch mal gefragt werden kann

00:02:55: und man nicht immer sofort externen Rat einholen muss, sondern so die Grundlagen

00:02:59: kann ich schon auch immer noch bis Strafrechts.

00:03:02: Und dann bin ich im Mai 2024 zurückgekehrt zu Herting, wieder ins Team Litigation,

00:03:09: also wieder zu den Leuten, die die Prozesse führen.

00:03:13: Und wie der Website eintragt, beschreibt es eigentlich ganz gut.

00:03:18: Also ich berate in gerichtlichen und außergerichtlichen Streitigkeiten mit IT-rechtlichem Schwerpunkt.

00:03:23: Und ganz überwiegend habe ich dann zusammen mit dem Kollegen Christoph Elstner,

00:03:27: übrigens der nächste Podcast-Gast ist, also da kann man sich dann schon mal drauf freuen.

00:03:31: Genau, sehr gut.

00:03:33: Ja, du hast schon gesagt, IT Litigation und damit steigen wir mal ein in die eine drei schönsten Fälle.

00:03:41: Ja, bevor wir in die Einzelhacken gehen, vielleicht was verbindet die drei Fälle?

00:03:45: Wo ist da der gemeinsame Nenner?

00:03:47: Also einmal ist der gemeinsame Nenner, dass wir immer die beklagten Seite vertreten.

00:03:52: Das hat einen relativ einfachen Hintergrund, da wir eng mit verschiedenen IT-Versicherern zusammenarbeiten

00:04:00: und deren Versicherungsnehmer hauptsächlich auf beklagten Seite sind,

00:04:06: weil dann der Versicherungsschutz eintritt, um wir manatiert werden.

00:04:09: Weil Sie angeblich was falsch gemacht haben sollen?

00:04:11: Genau, weil Sie angeblich was falsch gemacht haben und dass Sie es nicht falsch gemacht haben,

00:04:14: dafür sind wir dann da, das dem Gericht auch deutlich zu machen.

00:04:18: Genau, also es geht uns sozusagen um die Verteidigung gegen IT-rechtliche Klagen

00:04:24: oder eben gegen den Vorwurf, ihr habt da jetzt irgendwas falsch gemacht,

00:04:27: sie will richtige Art, da ist dann irgend ein Schaden entstanden,

00:04:29: möglicherweise und der wird dann versucht, den IT-Dienstleister anzuhängen und die sind versichert.

00:04:35: Und wir arbeiten mit der Versicherung zusammen, man datiert sind wir dann natürlich von den Versicherungsnehmern,

00:04:40: aber häufig ist es so, dass die Versicherung unsere Rechnung bezahlt.

00:04:44: Genau, richtig.

00:04:46: Genau, dann stange vielleicht mal ein in deinen ersten Fall, vielleicht sagst du mal kurz, worum es da ging

00:04:52: und uns geht es ja heute so ein bisschen um die Prozesse allen Besonderheiten,

00:04:56: nicht so sehr darum, ob das in dem Einzelfall einen Gewährlastungsfall oder einen Schadensfall ist,

00:05:02: sondern eher darum, wie das sich dann so abspielt.

00:05:05: Genau, also meine drei Fälle sollen einfach mal aufzeigen, was wir hier so täglich auf dem Schreibtisch haben

00:05:09: und dass IT-Streitigkeit nicht IT-Streitigkeit ist, sondern total vielfältig sein kann.

00:05:14: Der erste Fall, den ich mitgebracht habe, da ist wie gesagt die Mandatin Beklagte, das ist ein Softwareunternehmen,

00:05:21: das verschiedene Softwaredienstleistung anbietet, unter anderem auch eine Buchhaltungssoftware/Überweisungssoftware

00:05:28: und diese erstellt dann jeweils nach den Vorgaben des Kunden ein Datenträger für den elektronischen Überweisungsverkehr.

00:05:38: Den reicht dann der Kunde an die Bank weiter zur Auslösung von Zahlungsaufträgen im elektronischen Zahlungsverkehr.

00:05:46: Und jetzt war es so, die Kligerin, das ist ein großer Verlag, wollte mittels dieser Buchhaltungsüberweisungssoftware

00:05:52: eine Vorauszahlung an einen in den USA ansässigen Lieferanten tätigen in Höhe von knapp 14 Millionen.

00:06:00: Okay, der wird der Fall dann interessant.

00:06:02: Genau, deswegen habe ich ihn auch in Handel mitgebracht.

00:06:04: Und nach der Vorstellung der Kligerin sollte die Überweisung von ihrem US-Dollar-Konto in US-Dollar durchgeführt werden.

00:06:12: Tatsächlich wurde dann die Überweisung aber zu lassen ihres Euro-Kontos durchgeführt.

00:06:17: Also die Kligerin hatte ein Euro-Konto, ein US-Dollar-Konto.

00:06:21: Und das Problem an der Geschichte ist, dass sich dann durch diese Überweisung vom Euro-Konto, die Bank automatisch,

00:06:28: den sogenannten Spread, davon nimmt, also anteilig Wechselgebühren, was dann im Endeffekt dazu geführt hat,

00:06:36: dass am Schluss ein Schaden Wechselschaden von ca. 500.000 Euro stand,

00:06:40: den die Kligerin nun versucht von unserer Mandantin zu bekommen, weil sie sagt,

00:06:45: ah, die Software hat das irgendwie nicht richtig angezeigt und wir wollten doch was ganz anderes.

00:06:50: Und jetzt ersetzen es doch mal den Schaden.

00:06:52: Was man dazu wissen muss, die Kligerin hat es insbesondere damit begründet,

00:06:59: dass da zwei Mitarbeiterinnen von ihr drangesessen hätten, die hätten ganz sorgfältig alle Schritte überprüft

00:07:05: anhand dieser Software und den wäre nichts aufgefallen.

00:07:09: Also es wäre alles, der hätte gestanden, hier, das wurde, wird den US-Dollar durchgeführt

00:07:14: und sie hätten es gar nicht sehen können, dass da was anderes kommt.

00:07:18: Ja, und die Mandantin ist jetzt also verklagt auf quasi diese halbe Million

00:07:23: und ja, was kann man da und die sagen aber, sie haben nichts falsch gemacht

00:07:28: oder was ist sozusagen die Verteidigung, Linie erstmal?

00:07:31: Genau, also das Interessante an dem Fall ist, dass also, dass die Software gegebenenfalls da irgendein Fehler hatte,

00:07:39: das ist wohl relativ klar.

00:07:41: Dann könnte man jetzt denken, das ist ja eindeutig, dann bekommt die Kligerin die 500.000 von der Beklagten,

00:07:46: falls zu Ende, allerdings so einfach ist, ist natürlich nicht,

00:07:51: weil nur, dass die Software einen Fehler hatte, heißt nicht, dass die Beklagte rein dafür verantwortlich ist.

00:07:57: Also erstmal war es in dem Fall schon so, dass es mutmaßig im Gewährleistungsrecht geht.

00:08:02: Ich meine, die Software wurde vor 15 oder 10 Jahren, glaube ich, über 10 Jahren übergeben.

00:08:07: Ist eigentlich klassisch verjährt.

00:08:08: Okay, ja. Ist schon mal so der erste Angriffspunkt, den man da hat.

00:08:12: Warum ich den Fall aber eigentlich mitgebracht habe, was anderes aufzuzeigen ist

00:08:17: und zu sagen, wie wichtig es ist, den Sachverhalt wirklich zu begreifen,

00:08:20: weil wir haben zwar viel mit IT-Streitigkeiten zu tun, aber ich meine, wie genau so eine Überweisungssoftware funktioniert,

00:08:27: das wissen wir dann auch nicht.

00:08:28: Das heißt, für uns hat der Verletzmann angefangen, uns zusammenzusetzen mit dem Geschäftsführer Demandantin

00:08:35: und einer Dame aus der Technik, die uns wirklich step by step jeden einzelnen Schritt dieser Software gezeigt hat,

00:08:42: wie diese Überweisung damals, zum damaligen Stand durchgeführt wurde, damit wir erkennen konnten,

00:08:47: konnte man denn da erkennen, dass da in dieser Software irgendwie was anders angezeigt wurde,

00:08:52: hätte denn die Klägerinnen das irgendwie erkennen können.

00:08:55: Und dann haben wir das erstmal gut darstellig erfasst und auch wirklich jeden Schritt sind wir durchgegangen,

00:09:00: haben dann auf die Klage erstmal widert.

00:09:02: Und das Interessante war, dass dann von der Klägerin kam dann die Replik

00:09:08: und da wurde dann gesagt, ja, wurden auch Screenshots von der Software gemacht und wurde gezeigt,

00:09:14: hier, da ist doch alles richtig angezeigt bei der Software.

00:09:16: Also es konnten doch unsere Mitarbeiterinnen gar nicht erkennen.

00:09:19: Und wenn es anders angezeigt worden wäre, dann hätten sie es doch natürlich auch bemerkt und alles wäre gut gewesen.

00:09:24: Und nochmal kurz zum Sachverhalt, das wird elektronisch übermittelt dann an die Bank?

00:09:27: Genau, elektronisch übermittelt.

00:09:28: Das macht ja keinen Sinn, also, hinfaxen, da sind wir dann hoffentlich raus aus der Zeit.

00:09:31: Da ist uns soweit die Digitalisierung schon.

00:09:34: Und der Punkt war dann, dass wir aber gesehen haben, dass das, was jetzt die Klägerin vorgetragen hat,

00:09:42: falsch ist, weil die hat den Stand der Software nach dem Patch, der dann durchgeführt wurde,

00:09:48: gezeigt, wo natürlich alles korrekt angezeigt wurde.

00:09:50: Sie lassen es sozusagen aus Versehen.

00:09:52: Genau, und wir konnten dann im nächsten Schritt im Rahmen der Duplik aufzeigen,

00:09:56: erstens, dass falsch vorgetragen wurde, weil so können es die Mitarbeiterinnen gar nicht gesehen haben.

00:10:00: Und zweitens, so wie der Stand vor dem Patch war, waren die Fehler offenkundig.

00:10:07: Und die Klägerin hat quasi dann selbst angerufen, wenn sie es so gesehen hätte,

00:10:11: dann hätten wir ja keinen Schaden entstanden.

00:10:13: Also hat sich quasi selbst in eine ganz schlechte Position gebracht.

00:10:16: Wie gesagt, was der Fall zeigen soll, immer ganz genau den Sachverhalt erfassen.

00:10:21: Es ist ganz wichtig, gerade in IT Litigation Fällen, weil es oft komplexe Sachverhalte sind

00:10:25: und da kann überlegende Sachverheizkenntnis oft Fälle gewinnen.

00:10:29: Also musste man da nicht fürchten, dass man die jetzt quasi auf den richtigen Pfad führt,

00:10:35: in dem man sagt, naja, das ist ja jedes Falsche.

00:10:37: Das kann ja damals gar nicht so gewesen sein, als die dann sagen,

00:10:39: ja, ja, okay, sorry, hier die richtigen Screenshots von damals,

00:10:42: oder die hatten sie gar nicht, oder wie kann man sich das vorstellen?

00:10:46: Na ja, es ist ja sozusagen eine Tatsache und das könnten wir auch durch Sachverständigen Guthachten

00:10:50: hatten wir auch angeboten, dass das, was wir gesagt haben, so stimmt.

00:10:54: Also weil es ist ja nur eine Software und die haben ja sowohl die so gesehen,

00:10:57: als auch wir.

00:10:59: Und das heißt, es ist sozusagen eine Tatsache, an der man nicht vorbeikommt.

00:11:03: Also irgendwann muss man natürlich auf diese Spur gehen,

00:11:07: weil das war ja sozusagen eine offene Flanke in dem Fall.

00:11:10: Also sonst hätte man das vielleicht noch länger so um Wagen lassen können,

00:11:13: aus prozess-taktischen Gründen, aber es so offenkundig war.

00:11:16: Muss man sie darauf hinweisen, um aufzuzeigen,

00:11:19: hier waren die Fehler, ihr habt sie genau gesehen, ihr habt behauptet,

00:11:22: wenn ihr das so gesehen hättet, wäre das ja niemals passiert für Augenprinzip.

00:11:25: Und das war sozusagen so eine Chance, die man prozess-soal nutzen konnte.

00:11:29: Okay.

00:11:31: Das heißt, es wird denen zu verhängniswerden,

00:11:35: dass sie dann, ja, da jetzt sozusagen festgenagelt sind,

00:11:39: dass sie das ja eigentlich doch hätten sehen können.

00:11:41: Ihr eigenes Argument, wir haben es super geprüft und wir konnten das nicht sehen,

00:11:44: ist quasi falsifiziert, weil sie hätten es genau sehen können.

00:11:48: Danke dafür sozusagen.

00:11:49: Genau, sie haben eigentlich nur zwei Möglichkeiten, entweder sie leugnen das,

00:11:53: weiter was absolut nicht schlau wäre,

00:11:57: weil da wird es, das ist der Sachverständige,

00:11:59: wird ihnen dann die Grenzen aufzeigen,

00:12:02: oder sie räumen es ein und sagen, ja, wir haben den falschen Software stand

00:12:05: und dann ist es genau wie du gesagt hast,

00:12:07: damit räumen sie eigentlich eigenes Fehlverhalten ein,

00:12:09: wenn man sich selbst aufführt.

00:12:11: Gut, ja, da Augenaufs beim Sachvortrag und dann eben,

00:12:16: das ist natürlich etwas, was gleichermaßen wichtig,

00:12:20: wie teilweise jedenfalls unbeliebt ist Sachverhaltsaufklärung,

00:12:24: gerade in diesen IT-Fällen, wo es dann als wirklich sehr ins Detailreichtum geht,

00:12:30: um da wirklich Erfolg zu haben, aber man muss halt wissen,

00:12:32: wo lohnt es sich für die Mandanten, dass man da richtig tief einsteigt

00:12:36: und wo kann man vielleicht drüber weggehen, da die Punkte zu finden ist,

00:12:39: weil da ja auch das was einen ausmacht,

00:12:40: dann eben den erfahrenen IT-Litike.

00:12:42: Genau, und da war auch der Vorteil in dem Fall,

00:12:44: dass wir da sehr engagierte Mandanten hatten,

00:12:48: die uns auch immer wieder das aufgezeigt haben

00:12:51: und auch wenn wir Fragen hatten immer zur Verfügung standen,

00:12:53: dass es nicht immer so ist, wenn ich in dem Fall drei aufzeige.

00:12:56: Allerdings heißt es nicht, dass man da nichts machen kann.

00:13:00: Das werden wir aussehen.

00:13:01: Okay, gut, da freue ich mich schon auf Fall drei vorher,

00:13:03: aber erst mal der Übergang zu Fall zwei,

00:13:05: ja, macht man Haken an den ersten, oder?

00:13:06: Genau, momentan.

00:13:09: Ja, der nächste Fall, nochmal IT-Recht, worum geht es da?

00:13:13: Genau, diesmal ist die man dann wieder beklagte und ist eine Firma,

00:13:18: also andere Mandantinnen, wir haben auch andere Mandantinnen.

00:13:20: Also andere Mandantinnen, wir haben auch verschiedene Mandantinnen,

00:13:22: ja, richtig, genau.

00:13:23: Und die Firma, in der es um Fall zwei geht,

00:13:25: berät Unternehmen im Bereich eCommerce

00:13:28: und in dem Fall ging es darum,

00:13:32: den richtigen Dienstleister,

00:13:34: das richtige Produkt für den Aufbau einer neuen Shop-Website auszusuchen,

00:13:38: welche den Anforderungen, der dem Verklegerinnen sprechen sollte.

00:13:42: Also es ist sozusagen,

00:13:44: da werden dann die Anforderungen bestimmt,

00:13:45: meistens in mehreren Workshops.

00:13:47: Was wollen die denn genau für ihre Website?

00:13:49: Was ist denn wichtig?

00:13:50: Dann wird geschaut, okay,

00:13:52: welche potenziellen Dienstleister gibt es da auf dem Markt?

00:13:54: Dann werden da Gespräche geführt mit dem Berater,

00:13:58: in dem Fall mit der Kleegerin, mit der späteren Kleegerin

00:14:00: und mit diesem Dienstleister und dann wird geguckt,

00:14:02: okay, was füttert am besten?

00:14:04: Und die Leistung, die die Mandantinnen in dem Fall erbracht hat,

00:14:07: ist eine Beratungsleistung, weil sich sozusagen in dem Bereich.

00:14:10: Sprich, wir haben sozusagen, der Online-Shop ist der Kleegerin

00:14:16: und die Mandantin ist die bestes Beratungsunternehmen.

00:14:20: Und da geht es um etwas, was jetzt bei uns,

00:14:23: wenn ich jetzt mal von uns, Team IT,

00:14:25: wir bei uns sind die Shopsysteme meistens schon ausgesucht,

00:14:28: oder wir machen die Verträge mit den Shopsystemen

00:14:30: oder manchmal auch mit Beratern dazu.

00:14:33: Und jetzt gerade ein Fall, wo wir den,

00:14:36: die ja, in dem Fall sind es,

00:14:39: geht es nicht um die Shop-Lösung, sondern letztlich um ERP-Systemen,

00:14:42: aber da hat man ja die gleiche Diskussion.

00:14:45: Ja, man hat jetzt einen Berater, der dann dahin gewirkt hat,

00:14:49: dass ein bestimmtes System eingesetzt wird.

00:14:51: Und jetzt bietet er auch noch das Hosting an dieses Systems.

00:14:54: Da kann man sich dann die verzweiften Situation vorstellen.

00:14:59: Jetzt könnte es sein, vielleicht was gibt es da für Vertrag mit denen?

00:15:03: Gibt es überhaupt was Detailliertes?

00:15:05: Ist ja gar nicht so selten, dass dann da nichts,

00:15:08: dass man das so ein bisschen auf Zufruf macht, aber hier...

00:15:11: Das war dann so ein klassischer Beratervertrag

00:15:13: und ein Gesundheitsberatungsvertrag.

00:15:15: Was ja wahrscheinlich gar nicht so schlecht ist.

00:15:16: So, und jetzt kommt es, wie es kommen muss, sonst wird es kein Fall.

00:15:19: Genau, und jetzt kommt die Kligel an die Beklagten zu,

00:15:22: hat sie verklagt mit der Begründung,

00:15:25: also auf Chance, dass sie verklagt,

00:15:26: dass das falsche Produkt ausgesucht wurde.

00:15:29: Kurz gesagt, dass ein besseres gegeben hätte.

00:15:32: Und den Fall habe ich deswegen ausgesucht,

00:15:34: das ist uns jetzt auch in letzter Zeit öfter vorgekommen,

00:15:37: das sind diese typischen Klagen, wo man merkt,

00:15:41: da geht es hauptsächlich darum, dass man irgendwie ein Vergleich erzielt

00:15:44: und irgendwie noch Geld rauspresst aus einer Geschichte,

00:15:46: die dann gescheitert ist.

00:15:47: Also hier, da muss man erst mal überlegen, wo es eigentlich schaden,

00:15:52: weil sie haben ja ein Produkt bekommen,

00:15:55: jetzt sagen sie wahrscheinlich, das taugt nichts,

00:15:57: also das falsche ist ja ein bisschen wenig an Substanz sozusagen,

00:16:01: die müssen ja gesagt haben, das ist jetzt völlig unbrauchbar für unseren Zweck.

00:16:05: Und das ist quasi lost money, was wir da investieren.

00:16:08: Genau, und hätten dann den anderen Dienstleister wieder beauftragen müssen,

00:16:12: das hätte dann mehr kosten gehabt.

00:16:14: Aber die mehr kosten hätten sie so gehabt,

00:16:15: also das hätte gar nicht so leicht daraus ein Fall zu machen.

00:16:18: Das passt auch zu dem wilden Fall,

00:16:19: also auch der Schaden ist, sage ich, mehr sehr oberflächlich ausgeführt.

00:16:24: Und was ist interessant,

00:16:25: dass an diesem Fall Gestaltung, wenn so recht wilde Klagen kommen,

00:16:30: dass man genau da besonders aufpassen muss.

00:16:32: Weil in dem Fall ist es auch so,

00:16:34: dass auch ein sehr engagierter Mandant,

00:16:36: der sich auch, was man auch nachvollziehen kann,

00:16:39: wenn da so eine Klage kommt,

00:16:40: der hat mit den anderthalb zwei Jahre eng zusammengearbeitet

00:16:42: und unzähligen Workshops,

00:16:44: viel Herzblut da reingebracht und plötzlich wird gesagt,

00:16:46: ich war jetzt alles irgendwie blöd, was du da gemacht hast.

00:16:49: Der fühlt sich auch ein bisschen in seiner Beraterähre gekränkt

00:16:52: und kommt dann mit ganz viel Unterlagen,

00:16:55: mit ganz viel Dokumentationen davon

00:16:58: am liebsten alles gleich in den Prozess einführen.

00:16:59: Und sagen ja, alles war super.

00:17:01: Aber gerade in so Fällen, wenn die Klage sehr dünn ist, ist die größte Gefahr,

00:17:07: dass man als beklagter viel Input gibt.

00:17:10: Weil aus unserer Erfahrung ist es so, dass je undurchsichtiger so ein Sachverhalt wird,

00:17:16: desto schwieriger ist eine Entscheidung des Gerichts voraus zu sagen.

00:17:19: Also wenn man in einer eher schlechteren Position ist, macht es Sinn, dass man viele Sachverhalte

00:17:23: irgendwie rein mit auch der vielleicht nicht direkt damit zu tun hat, damit das Gericht

00:17:26: dann irgendwie geführt.

00:17:27: Und das ist ja doch fast drin.

00:17:28: Genau, Nebelkerzen.

00:17:30: Aber wenn der Case sehr klar ist, und in dem Fall ist er sehr klar, weil die Rechtsprechung hat da,

00:17:36: weil die Klage noch nicht mal schlüssig war.

00:17:40: Also selbst wenn man die Klage nur lesen würde ohne Vortrag der Beklagten, würde es nicht

00:17:45: ausreichen, um einen Chanceanspruch auszufüllen.

00:17:49: Dann bräuchte das Vortrag zu einer unrichtigen oder unvollständigen Auskunft, das beratest.

00:17:54: Diese Auskunft müsste dann Kausal gewesen sein für die Entscheidung für einen Anbieter.

00:17:58: Und dann müsste diese Tatsache dazu geführt haben, dass ein Schaden entstanden ist.

00:18:05: Und nichts davon wurde in der Klage vorgetragen.

00:18:07: Es wurde einfach gesagt, hier, Produkt, Dienstleister B, Produkt B wäre besser gewesen.

00:18:12: Das heißt, ich teile sie mit dem wording.

00:18:14: Und dann wurde gesagt, ja, wir haben hier irgendwie Zeugen von irgendeinem anderen

00:18:18: Firma, der kann sagen, dass wäre alles besser gewesen.

00:18:20: Aber es wurde überhaupt nicht dargelegt.

00:18:22: Wir waren jetzt Anforderungsprofile.

00:18:23: Was wurde da besprochen?

00:18:24: Wo war jetzt die falsche Auskunft?

00:18:27: Inwiefern hat die dazu geführt, dass sich für das Produkt entschieden wurde und wie ist überhaupt der Schaden?

00:18:32: Und da ist ja eigentlich das, was ich bei dem ersten Fall schon angemerkt habe.

00:18:36: Wenn man da also, du hast ja schon gesagt, da jetzt nicht mehr Sachverhalt beitun.

00:18:40: Also was jetzt offenbar falsch gewesen wäre, wäre dann vorzutragen, wir haben aber 47

00:18:44: Workshops gemacht und da habt ihr doch die und die Spezifikationen.

00:18:48: Und deshalb bin ich dazu gekommen, dass das doch das richtige Produkt ist, sondern

00:18:51: sondern eher darauf hinweisen, ja selbst wenn das alles stimmen würde, was du da sagst,

00:18:56: habt ihr noch keinen Schaden nachgewiesen, ihr habt keine Pflichtverletzung nachgewiesen.

00:18:59: Also was würde man, was replizierst du da?

00:19:03: Also was antwortet man dann, weißt man sie nicht?

00:19:05: Das ist das, was ich im ersten Fall gesagt habe.

00:19:07: Durch sozusagen weißt man sie nicht darauf hin, dass die Klage praktisch unschlüssig ist,

00:19:12: indem man da also sehr darauf umreitet.

00:19:16: Na ja, das ist dann auch prozesstaktisch.

00:19:19: Also ist meistens ja der erste Schritt, was auch ein Gericht prüfen muss, ist ja,

00:19:23: ist die Klage schlüssig und wird substantiv vorgetragen.

00:19:25: Vielleicht ein klein Schritt zurück, ja mein rudimentäres Verständnis.

00:19:29: Ja, wer einen Anspruch gelten macht, muss

00:19:33: ja vortragen, darlegen und beweisen können im gegebenenfalls, dass die Anspruchbegründung

00:19:39: Voraussetzungen vorliegen.

00:19:40: Das heißt, ja, du hast es jetzt schon ein paar mal gesagt, in unserem Fall Schaden,

00:19:45: also Pflichtverletzung, Kausalität, Schaden.

00:19:48: Und alles drei muss ja eben vortragen und wenn es bestritten ist, auch beweisen können.

00:19:52: Ja, und und wenn er das nicht macht, wenn schon kein, wenn nicht so Kausalität

00:19:59: vorgetragen ist, dann ist klar oder nicht zum Schaden vorgetragen, das ist die Klage

00:20:02: unschlüssig und dann muss das Gericht ohne, dass es überhaupt auf den beklagten

00:20:05: Vortrag ankommt, abweisen.

00:20:08: Das ist genau, das ist die Theorie.

00:20:09: Also rein theoretisch, wenn es in einer perfekten Welt wäre so, man müsste dazu gar

00:20:14: nichts sagen, dann würde das Gericht sich das anschauen und würde sagen, ah, die

00:20:18: Klage ist ja schon mutig.

00:20:19: Mutiges Vorgehen.

00:20:20: Genau, sehr mutiges Vorgehen, was wir nicht empfehlen würden, im

00:20:22: Regelfall.

00:20:23: Die Klage ist schon unnussig, Klage wird abgewiesen.

00:20:25: Aus unserer Erfahrung macht es Sinn, darauf ausdrücklich mal hinzuweisen,

00:20:30: darauf hinzuweisen, wo die Lücken sind.

00:20:32: Gerade wenn man durch eine gute Sachverhaltskenntnis wieder weiß, dass

00:20:37: da auch nichts kommen kann.

00:20:38: Also, dass der jetzt nicht, dass man sich nicht genau darauf hinweist, wo jetzt

00:20:41: vielleicht eine Schwachstelle ist.

00:20:42: In dem Fall sieht man aktuell keine Schwachstelle.

00:20:45: Das heißt, da kann man recht selbstbewusst mit vorgehen.

00:20:47: Aber wie gesagt, Gerichte tun sich teilweise schwer, sag ich mal, schon

00:20:52: wegen unschlüssigkeit abzuweisen, weil das natürlich immer so ein bisschen die

00:20:55: wollen lieber die Sache, im Sinne der Gerechtigkeit irgendwie abschließen

00:21:00: und weisen dann auch manchmal, haben wir auch die Erfahrung gemacht,

00:21:02: relativ viele Hinweise, dann auch an Klägerinnen oder Kläger und weisen

00:21:10: den Auflücken hin, was eigentlich gar nicht ihre Aufgabe ist.

00:21:14: Aber damit muss man rechnen.

00:21:15: Deswegen macht es Sinn, wenn man das gleich zu Beginn des Prozesses

00:21:17: schon mal auf den Tisch bringt und dann schaut, was dann kommt.

00:21:20: In dem Fall kam dann auch im Rahmen der Replik nichts.

00:21:24: Das heißt, da ist da wahrscheinlich nichts.

00:21:28: Genau, dann kann man irgendwann davon ausgehen, dass der jetzt auch nicht

00:21:30: mehr irgendwas lauert noch.

00:21:31: Ja, also schöner Hinweis auf Theorie und Praxis.

00:21:35: Auch deshalb sprechen wir ja vielleicht noch mal zu deinem Ausgangspunkt

00:21:40: von, na ja, ich sage jetzt mal ein bisschen sehr, klage ins Blaue hinein.

00:21:45: Irgendwas wird schon hängen bleiben und ja, ich weiß nicht, ob sie den Schaden

00:21:48: beziffert haben und da ist irgendwie 100.000 Euro oder was eingeklagt haben.

00:21:51: Ja, und nach dem Motto, wenn man mit 40 rausgehen ist, ein gutes Ergebnis,

00:21:55: dann haben wir noch irgendwie 10 für unseren Anwalt und dann haben wir noch

00:21:59: 30.000 Euro. Und sozusagen, wie läuft so ein in so einem vergleichsweise klaren

00:22:04: Fall, die sind ja nicht in der Mehrheit.

00:22:06: Wie läuft es dann ab?

00:22:08: Also, sie bekommt man das Gericht dazu nicht auf den Pfad des, na ja, Vergleich

00:22:14: ist doch immer gut und da muss ich auch kein Urteil schreiben, einzugehen.

00:22:19: Na, ich glaube, also erst mal, du sagst, stimmt es schon, weil natürlich

00:22:23: viele Gerichte dazu neigen.

00:22:24: Dazu ist ja auch die gute Verhandlung da, die ist ja immer ein Teil des

00:22:27: Zivilprozesses.

00:22:28: Am Anfang von so einer Verhandlung, das gesagt hat, kann man sich nicht irgendwie

00:22:31: einigen. Aber da ist dann schon auch wichtig, zu Beginn schon klar darzulegen,

00:22:37: dass man halt keine Grundlage für eine Einigung sieht.

00:22:40: Bei Einigungen, wenn ja auch oft dann gemacht werden, zum Beispiel, da ist

00:22:43: dann relativ hohe Schadenzone angegeben.

00:22:45: Man sagt dann ja, der Anspruch dem Grunde nach könnte schon irgendwas dran

00:22:48: sein, muss vielleicht ein Sachverständigengutachten gemacht werden, was

00:22:50: dann wieder kosten, kosten verursacht.

00:22:53: Aber irgendwie ist schon was dran.

00:22:55: Über den Schaden kann man sich streiten und dann macht es auf jeden Fall

00:22:58: Sinn. Aber ich zumindest bin jetzt auch kein Freund davon, immer alles weg

00:23:04: zu vergleichen. Also, wenn man wirklich keinerlei

00:23:06: Fehlverhalten war und es keine Anhaltspunkte gibt, dann einfach Geld,

00:23:11: sage ich mal, rauszuschenken, weil man sagt, okay, man erledigt das jetzt nur

00:23:14: aufgrund von Schnelligkeit.

00:23:15: Natürlich, wenn der Mandant es wünscht und wenn der sagt, mir ist es

00:23:18: lieber, ich zahre jetzt irgendwie 10, 20.000 Euro, dann ist die Kuh vom

00:23:22: Tisch, Kuh vom Eis und alles ist gut.

00:23:24: Dann ist natürlich der Mandantenwille das Wichtigste.

00:23:27: Aber in eindeutigem Fällen.

00:23:28: Irgendwann ist es natürlich eine wirtschaftliche Entscheidung.

00:23:30: Ja, die Gegenseite trägt dann, wenn sie vollständig verliert, auch unsere

00:23:34: Kosten, aber die sind ja gedeckelt bei den RVG-Kosten.

00:23:38: Das heißt, da kann Delta bleiben.

00:23:40: Je nach Streitwert kann das Delta auch gar nicht so ganz gering sein.

00:23:44: Besonders, wenn es der Aufwand bei uns hoch war, dass auf dem, der

00:23:46: Mandant sitzen bleibt, muss man ja auch so sagen.

00:23:49: Ja, und dann kann es dann schon Sinn machen, auf so ein Indiesent Proposal

00:23:53: einzugehen. Allerdings, wenn es wirklich so ist, dass es quasi in der

00:23:56: Lästigkeitsprämie nur noch ist, dann haben die anderen auch nichts von.

00:23:59: Das ist dann weniger als die, weil die haben ja auch ihren Anwalt.

00:24:02: Die müssen dann Teil unserer Kosten tragen und so weiter.

00:24:04: Also das ist dann schon, was sich dann für die auch nicht lohnt.

00:24:06: Richtig, genau. Das würde dann gehen, wenn es dann durch die Instanzen geht und

00:24:09: dann die Kosten immer höher werden.

00:24:10: Aber wenn man dann schon mal so eine Verhandlung hat, dann ist es auch gut,

00:24:16: einfach mal klar darzulegen und dann gibt es auch genug Gerichte, die es dann

00:24:19: auch so sehen und wenn man das nachvollziehbar gründet und dann auch

00:24:22: Klagen abweisen. Also das passiert ja auch.

00:24:25: Ist ja nicht immer so, dass alles vergleichsweise geregelt wird.

00:24:28: Und dann muss halt die Gegenseite sein.

00:24:29: Und gerade in so eindeutigen Fällen gehen die dann auch meistens nicht in die

00:24:32: zweite Instanz, weil dann ist halt das Risiko auch für die zu hoch.

00:24:36: Je weiss, wenn das Urteil gut ist, wo man ja vielleicht durch seine Schrift setzt,

00:24:40: auch einen gewissen Anteil daran hat, dass der das Gericht sich dann einfach

00:24:43: machen kann und dann die Argumentation weitgehend übernehmen kann aus unseren

00:24:46: Schrift setzten oder so, dann passt das.

00:24:49: Ok, sehr schön.

00:24:50: Ja, dritter Fall noch Urs.

00:24:52: Genau, der dritte Fall.

00:24:55: Der geht es darum, der Mandant ist wieder die Klagte.

00:24:58: Klage über knapp zwei Millionen in dem Fall.

00:25:01: Und das ist tatsächlich ein Klassiker.

00:25:02: Deswegen habe ich ihn auch mitgebracht, weil die Mandante ist ein IT-Dienstleister

00:25:06: der Klägerin. Es gab einen ransomware Angriff, also auch Cyberangriff genannt,

00:25:11: und auf die Systeme der Klägerin.

00:25:14: Und jetzt macht die Klägerin verschiedene Schäden gelten.

00:25:19: Unter anderem Arbeitsausfall, aber auch und deswegen ist der Schaden so hoch,

00:25:24: steht im Raum, dass die eigentlich ihr komplettes IT-System ausgetauscht hat.

00:25:27: Also sonst kommt nicht so schnell zwei Millionen zusammen.

00:25:32: Und was jetzt in dem Fall die Besonderheit ist,

00:25:35: warum ich ihn mitgebracht habe, ist, das ist ein Fall ist, wo man nicht

00:25:41: wie in den vorherigen Fällen Mandanten und Mandanten hat, die extrem viel

00:25:45: Zuliefern, extrem viel Input geben, sondern da war es so, dass die entscheidenden

00:25:50: Mitarbeiter nicht mehr im Unternehmen sind, also schwer greifbar.

00:25:53: Selbst wenn man versucht hat, sie zu greifen, hat man gemerkt, die haben nicht

00:25:57: so reagiert, wir sind auch ein bisschen Angst haben, selbst irgendwie

00:26:00: noch in Haftung genommen zu werden.

00:26:02: Das heißt, man steht dann vor der Aufgabe, dass man quasi die Klage hat.

00:26:07: Man hat nicht so viel Input von der Mandantenseite und muss ja trotzdem damit umgehen.

00:26:13: Also guter Fall, kurz reingreischen darf.

00:26:16: Ich wollte gerade sagen, warum, wie kann es denn sein, dass die Mandanten nicht

00:26:19: mitarbeiten? Das ist ja deren eigener Schuld, wenn sie verlieren, so nach dem Auto.

00:26:22: Aber das muss ja nicht mutwillig sein oder keine Lust oder irgendwie keine

00:26:27: Zeit, sich darum zu kümmern, sondern es kann ja ganz objektiven Sachen

00:26:30: liegen, sei es, weil die entscheidenden Personen weg sind, sei es, weil es die

00:26:33: Unterlagen nicht mehr gibt, um die es da geht, sei es wegen irgendwelcher anderen

00:26:39: Gründe. Das heißt, diese Fälle sind auch gar nicht so selten, dass man in so

00:26:42: einem Prozess damit etwas unsicherer Sachverhaltslage argumentieren muss oder

00:26:47: klarkommen muss.

00:26:48: Genau, richtig. Und damit muss man ja dann auch umgehen, weil man kann ja dann

00:26:51: nicht sagen, sich darauf beziehen, sie liefern uns ja nichts.

00:26:53: Wir müssen halt die zwei Millionen zahlen, wir müssen schon unsere Rechnung,

00:26:57: sondern auch da muss man ja damit umgehen.

00:26:59: Und da komme ich auf das zurück, was ich von meiner Vorstellung gesagt hat, da

00:27:05: in so Fällen hilft mir dann ein bisschen die Erfahrung aus dem Wirtschafts-

00:27:07: strafrecht oder generell strafrecht, weil da ist es eigentlich fast immer so,

00:27:12: dass man die Akte bekommt, Ermittlungsakte der Staatsanwaltschaft, die müssen ja

00:27:17: hinreichend den Tatverdacht nachweisen, so ein Tatverdacht, der ausrecht, dass man

00:27:20: die Anklage erhebt, also überwiegende Wahrscheinlichkeit der Verurteilung.

00:27:25: Und da ging es ja auch immer darum, das, was die

00:27:28: Polizeistarztanwaltschaft ermittelt hat, auseinanderzunehmen, zu schauen,

00:27:31: ist es plausibel, reicht es für den reichen Tatverdacht.

00:27:35: Und es war in den ganz überwiegenden Fällen überhaupt nicht nötig, da die Geschichte

00:27:39: das in dem Fall Beschuldigten zu erzählen, was auch mal ein bisschen problematisch

00:27:44: ist im Strafrecht, weil sobald man anfängt, was zu erzählen.

00:27:47: Er brauchte das Geld, er muss das ja machen.

00:27:49: Falsche Story, falsche Story.

00:27:51: Genau, er hat ja der Beschuldigte, der dafür auch schweigen zum Beispiel

00:27:55: in einem Strafverfahren.

00:27:57: Ja, da war auch Lügen anders übrigens als im Zivilprozess.

00:27:59: Nötig.

00:27:59: Das ist ein wichtiger Unterschied, den manche, was wenn ich so höre, was

00:28:02: irgendein so erzählt, nicht immer beherzigen.

00:28:05: Aus denen, sage ich mal, genau.

00:28:06: Aus denen so, ja.

00:28:07: Aus denen.

00:28:08: Und und das hilft auch in den Fällen, weil es da da komme ich wieder ein bisschen

00:28:13: auf dieses Thema mit Schlüssigkeit, Substantierung zurück.

00:28:15: Weil oft ist es so, selbst bei so einer Klage über zwei Millionen, wenn man die

00:28:19: sich mal im Detail auseinander nimmt an den einzelnen Punkten und dann schaut

00:28:23: zum Beispiel, in dem Fall war es eine Teilklage.

00:28:26: Das ganz Interessante ist bei zwei Millionen Teilklage, da weiß man, was die eigentlich

00:28:30: wollen, angeblich wollen.

00:28:31: Und da ist es nämlich so, zum Beispiel, dass bei so einer Teilklage muss der

00:28:36: Klägerklauen deutlich darlegen, welchen Teil seines Anspruchs ergelten macht.

00:28:39: Und das ist wichtig, um den Streitgegenstand zu bestimmen und eine doppelte

00:28:43: Inanspruchnahme zu vermeiden.

00:28:45: Also, weil die ZBO will verhindern, dass jemand

00:28:48: was Teil was einklagt und dann kommt er später nochmal und klagt nochmal

00:28:53: dasselbe ein. Und das Gericht weiß gar nicht, ist es denn jetzt schon eingeklagt

00:28:56: oder nicht?

00:28:56: Vielleicht Teilklage, das werden vielleicht viele der Zuhörner nicht so kennen.

00:29:02: Warum macht man das aus Klägersicht?

00:29:04: Was ist daran sinnvoll?

00:29:05: Genau, also es ist reduziert erst mal die Gerichtskosten.

00:29:09: Darum geht es.

00:29:09: Die Kosten zu reduzieren, das Risiko damit zu verringern.

00:29:12: Und wenn ich dann sozusagen gewinne, ja, der Sachverhalt ist der gleiche.

00:29:18: Dann kann ich auch die anderen 10 Millionen noch einklagen sozusagen.

00:29:21: Das wäre die Grundidee.

00:29:22: Genau, es ist so ein bisschen so ein Testballon.

00:29:24: Genau, es ist ja auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

00:29:27: Wollen die Unternehmen auch nicht zu große Risiken eingehen.

00:29:29: Und wie du gesagt hast, dann macht man erst mal ein Teilklage.

00:29:32: Und wenn die dann erfolgreich ist, kann man den Rest noch einklagen.

00:29:34: Das ist der Hintergrund davon.

00:29:36: Genau. Und in.

00:29:38: In dem Fall war es tatsächlich so, dass es so unbestimmt war, was jetzt

00:29:45: eigentlich der Schaden war.

00:29:45: Da wurde dann in jedem Schriftssatz nach unseren Hinweisen, was jetzt eigentlich

00:29:50: wo der Schaden genau herkommt, wo dann teilweise Gewächste zwischen den Schaden

00:29:53: wurde gesagt, ja, das passt dann doch da noch irgendwie rein.

00:29:56: Da wurde dann Hardware gekauft und haben die Zahlen dann nicht gestimmt, die dann

00:29:59: vorgetragen wurden. Also man konnte ohne, dass man eigentlich, dass man dann die

00:30:04: Mandantin Input gegeben hat, konnte man nur mit dem, was die Gegenseite geschrieben hat,

00:30:09: das dazu führen, dass dann in der Verhandlung bis wo war, dass der Richter

00:30:16: der Gesessenheit gesagt, die Klage ist ja schon unschlüssig.

00:30:18: Klar ist schon unschlüssig.

00:30:19: Das haben wir schon mal zurückgenommen.

00:30:20: Genau. Das war zwar eingestellt, aber dann sieht es ja aufs Erz.

00:30:24: Zwei STPO.

00:30:25: Aber in dem Fall war es tatsächlich so, dass der Richter das genauso gesehen hat,

00:30:29: hat dann sogar noch anhand einer, sage ich mal, Präsentation in der Wand.

00:30:34: Sollte wahrscheinlich die Rechtsgriffen darin erstellt hat, aber man gemerkt,

00:30:37: dargelegt, dass es mit den Zahlen alles überhaupt nicht passt.

00:30:40: Jemand hat sich Mühe gegeben, es muss die Referendaren gewesen sein.

00:30:42: Genau, die saß dann auch daneben.

00:30:43: Deswegen dachte ich mir schon, dass die das wahrscheinlich war.

00:30:45: Auf jeden Fall war es, hat er es genauso gesehen.

00:30:48: In dem Fall hat er dann anhand von sechs Punkten gesagt, ja, also ich würde das

00:30:52: jetzt abweisen und hat dann nochmal eine Chance gegeben, es irgendwie glatt zu ziehen.

00:30:57: Aber da hat man gesehen, selbst ohne Input, der man dann schaut, was wie du gesagt hast,

00:31:04: gar nicht böser Wille sein muss oder irgendwie kein Interesse.

00:31:07: Kann man auch Fälle gewinnen und hat man auch immer Werkzeuge, um voranzukommen.

00:31:14: Gut, sehr gut Urs.

00:31:17: Also drei, sagen wir mal, typische Fälle jetzt aus deiner Praxis.

00:31:22: Ja, wir verdanken das Mandat einer großen IT-Versicherung

00:31:27: und vertreten dann die VN, wie sie in euer Sprache immer heißt,

00:31:31: gegen die Ansprüche von deren Kunden.

00:31:35: Und ja, wir hatten jetzt in diesem Falle in diesen Fällen jetzt erst mal ganz gute Karten.

00:31:43: Es ist nicht immer so, das muss man schon sagen.

00:31:44: Ja, es werden ja nicht umsonst Leute verklagt, häufig kommt dann auch was heraus.

00:31:48: Ja, vielen Dank, Urs, dass du hier warst und davon berichtet hast.

00:31:53: Ich hoffe, dass es jetzt in den nächsten Folgen ähnlich instruktiv läuft.

00:31:58: Dann bin ich zufrieden.

00:31:59: Ja, wir sind am Ende, ihr merkt es schon von Folge 64 von Herdingfm, der Podcast

00:32:05: für Recht Technologie und Medien.

00:32:07: Und zugleich am Ende des Anfangs unserer kleinen Staffel zu Litigation at Herdingfm.

00:32:13: Ich freue mich, wenn ihr auch bei der nächsten Folge wieder einschaltet

00:32:17: und sagt nochmal vielen Dank und tschau Urs, danke dir.

00:32:20: Danke Martin.

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Über diesen Podcast

Im Podcast HÄRTING.fm Der Podcast für Recht, Technologie und Medien beschäftigen sich die Co-Hosts mit Neuigkeiten aus unseren Rechtsgebieten: Es geht um IT und IP, Medien und Technologie, Datenschutz und E-Commerce.

Gemeinsam mit wechselnden Co-Hosts aus der Kanzlei begrüßt Martin Schirmbacher in jeder Folge einen Gesprächspartner, den oder die wir zu ihrem oder seinem Schwerpunktthema befragen und uns und Euch ein wenig über ihre oder seine Spezialgebiete informieren. In jede Folge steigen wir mit einem kleinen Gespräch zu aktuellen Themen aus unserer Mandantenberatung ein.

von und mit Dr. Martin Schirmbacher

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